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Alle hier geschriebenen Texte (c) Kilian Braun 2009 - 2018 (wenn nicht anders angegeben)

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Sonntag, 17. Juni 2018

Painting Minis: live and learn ...

Zu vielen Tabletopgames gehören Miniaturen, die oftmals unbemalt sind. Sicherlich sind sie so zu verwenden, aber eine bemalte Figur ist eine deutliche Aufwertung für das Spiel, auch wenn sie nicht perfekt bemalt ist. Dieses Jahr habe ich mit dem Bemalen von Miniaturen begonnen und festgestellt, dass es mir nicht nur um das Ergebnis geht, sondern ich die Tätigkeit als ruhig und entspannend empfinde. In einem ersten Blogbeitrag darüber habe ich berichet, wie es mir mit den ersten Schritten ergangen ist. Als Übungsobjekte hatte ich mir die Heldenfiguren von dem Spiel Descent ausgesucht, aber längst hatte ich nicht alle üblichen Fehler begangen, die man halt am Anfang so macht ...

Die Miniaturen von Warhammer Shadespire wollte ich durchaus bereits recht gut anmalen, und zu Anfangs lief alles nach Plan:

Die zusammengebauten, unbemalten Miniaturen von
Steelheart's Champions aus der Grundbox


Grundierung mit Mechanicus Standard Grey

Erste Bemalfortschritte Front

Erste Bemalfortschritte Back

Der Painting Handle von Citadell ist sehr praktisch

Arbeiten an Details und der Base

Fertig!

Fertig!

Mangels Erfahrung und Routine bin ich nicht der schnellste Bemaler und lasse mir zudem auch Zeit damit. Nebenbei einen interessanten Podcast zu hören oder sogar auf dem Tablet eine Folge von Critical Role anzusehen/anzuhören treibt mich nicht zur Eile an. Nach dem Bemalen kommt der letzte Schritt: das Versiegeln der Figur. Damit soll verhindert werden, dass sich die Farbe beim Anfassen während des Spiels ablöst.

Und genau jetzt, beim letzten Schritt, habe ich gleich mehrere Fehler gemacht. Zum einen habe ich die Sprühdose mit dem Sealer nicht lange genug geschüttelt und dann auch noch bei schlechten Lichtverhältnissen sicherlich etwas viel aufgetragen. Zudem war es Winter, also entsprechend draußen kalt, und wie ich später in Erfahrung gebracht habe, soll man niemals bei kalten Temperaturen die Minis trocknen lassen, sondern mindestens bei Raumtemperatur. Ich habe die Minis wieder reingeholt und dann im Licht sah es so aus:

Diese Figur hatte es am schlimmsten erwischt

Der Grauschleier ist deutlich zu erkennen

Die Leuchtkraft der Farben war im Eimer

Rückansicht

Tja, ihr könnt euch meinen Frust darüber sicherlich vorstellen. Viele Stunden der Arbeit waren irgendwo umsonst, denn so schön das Bemalen selber auch ist, die fertigen Miniaturen zu betrachten, gehört dann doch auch dazu. Was tun? Zunächst habe ich es mit Lösungsmittel versucht, um die Schicht Sealer vorsichtig abzutragen, aber der leistete ganze Arbeit und ließ sich nicht erweichen (machte also eigentlich einen guten Job). Dann habe ich angefangen zu recherchieren und meine o.a. Fehler dadurch erkannt. In Zukunft würde mir das sicherlich nicht noch einmal passieren, aber was war jetzt mit Steelheart's Champions? Würden sie fortan mit grauer, stumpfer Rüstung in die Schlacht um die gespiegelte Stadt Shadespire ziehen müssen?

Nein, würden sie nicht. Es gibt zwei Lösungen für dieses Problem und ich habe mich für Gloss Varnish von Army Painters entschieden. Den einmal komplett aufgetragen konnte der Figur etwas Farbglanz wiedergeben, den der falsch aufgetragene Sealer geschluckt hatte:

Nach der Behandlung mit Gloss Varnish (Front)

Nach der Behandlung mit Gloss Varnish (Back)

Alles konnte damit nicht ungeschehen gemacht werden, aber dennoch war es eine deutliche Verbesserung des Zustandes. "Live and learn" heißt es so schön und das habe ich wohl gemacht: Bei der nächsten Anwendung des Sealers war ich doppelt vorsichtig. :)

Mittwoch, 30. Mai 2018

"Meisterinnen fallen nicht vom Himmel" - Frauen als Spielleiterinnen

Ein guter Artikel bei den Teilzeithelden über ein wichtiges Thema im Pen&Paper-Rollenspielbereich: "Meisterinnen fallen nicht vom Himmel". Spielleiterinnen sind immer noch selten und stoßen auch oft auf so manche Probleme/Widerstände, die männliche Kollegen nicht erleben. Ich finde auch, dass zum Einen die Quote der rollenspielenden Jungs/Männer deutlich höher ist und damit auch die Quote der männlichen Spielleiter, aber zum Anderen, und das ist vielleicht der entscheidendere Punkt, die Akzeptanz von Mädels/Frauen als Teil der Spielrunde und eben auch mal als Spielleiterin. Wie ich den Kommentaren entnehme, haben da so Manche offenbar ganz schlechte Erfahrungen gemacht, bei denen auch ich als ach so toller Mann keinen Bock mehr auf die Runde gehabt hätte, und, würde es mir passieren, mich freundlich aber bestimmt aus der Runde verabschieden. Sowas muss man nicht erdulden, aushalten und dergleichen.

Das bestätigt, wie wertvoll eine gut funktionierende, harmonische Spielrunde ist, die alle, egal ob männlich/weiblich oder Rollenspiel-Anfänger/alter Hase so nimmt wie er/sie ist. Punkt. Liebe rollenspielbegeisterte Frauen, sucht euch die richtigen Mitspieler! Geht man zu Conventions oder Rollenspieltreffs, weiß man natürlich nicht, mit wem man da am Tisch landet. Ich weiß, wir Nerds sind ein wenig sonderbar in vielen Dingen, ABER: So sonderbar kann und darf keiner sein, dass eine Frau als Spielerin bzw. Spielleiterin nicht normal behandelt und akzeptiert wird. Ganz einfach. Es gibt genauso männliche Nerd-Kollegen, bei denen ich mir - Entschuldigung - meinen Teil denke ... Aber es sollte jeder schaffen, einen normalen, freundlichen Umgang an den Tag zu legen, ohne sexistische Kommentare, Spielinhalte oder Infragestellen der weiblichen DM. Geht gar nicht, wirklich.

Ich bin auf jeden Fall für mehr Frauen an den Pen&Paper-Spieltischen und auf jeden Fall auch hinter dem DM-Screen. Eine reine Männerrunde funktioniert und ist sicherlich schön, aber eine gemischte Gruppe empfinde ich als spannender und ausgeglichener.

Sonntag, 27. Mai 2018

Dungeons & Dragons Spielrunde: Die Frau in Weiß

Das Dorf Bitterbach im Königreich Erkania befand sich fern des Königshofs und war sehr zur Freude der Bitterbacher Bürger unbedeutend genug, für den mit eiserner Hand regierenden Imperator Ezekiel uninteressant zu sein. Der kleine Ort zählte keine zweihundert Einwohner, besaß einen Kramerladen, ein Götterhaus, verschiedene Handwerker, ein Gasthaus und eine Burgruine, in der es spuken soll - also alles, um der Gewöhnlichkeit Genüge zu tun. An einem Abend kamen Fremde in den Ort und während die Gruppe Abenteurer mit Neugier und Interesse aufgenommen wurde, war der andere Gast keinesfalls willkommen. Dennoch wurde er empfangen und bewirtet, denn einen Inquisitor davonzujagen, machte sich nicht sonderlich gut.

Ich habe für die Gruppe drei kurze Sidequests erdacht, denen sie sich widmen können, bevor es mit dem Hauptplot weitergeht. "Wenn es blutet, können wir es töten" und "Das verlorene Dorf" standen noch zur Auswahl, aber die Gruppe hatte sich für "Die Frau in Weiß" entschieden". Was folgt, ist eine erzählerische Darstellung der Geschehnisse, die nicht den genauen Spielverlauf (und die Spielmechanik) wiedergibt. Aber ich finde es auf diese Art einfach lesenswerter, und ich hoffe, euch geht es auch so. :)

"Hört mal, es gibt da eine Sache", sagte Perana und rückte noch etwas näher an die Abenteurer heran. Sie war Bitterbacherin und hatte sich an den Tisch der Neuankömmlinge im Gasthaus "Zum Lustigen Humpen" gesetzt, als die Stimmung mit Ankunft des Inquisitor jäh umgeschlagen war.
"Was gibt es?"
Baragor setzte sich wieder, da er dem Inquisitor an seinem Tisch einen Besuch abstatten wollte. Perana sah kurz zu ihrem Freund Eric, dem ebenfalls sichtlich unwohl in seiner Haut war.
"Meine Freundin Ester ist seit geraumer Zeit verschwunden", sagte Perana schließlich. "Sie ist die zweite Frau von Siegbert, unserem Kramerhändler. Er sagt, Ester sei schwer krank und er hätte sie nach Treverngaard gebracht."
"Treverngaard?", fragte Hellon.
"Die nächst größere Stadt", antwortete Eric. "Liegt ungefähr zwei Wochen Fußmarsch entfernt."
"Kaum einer im Ort glaubt Siegbert die Krankengeschichte", fuhr Perana fort und tauschte mit Eric einen sorgenvollen Blick. "Wir glauben, dass mit ihr etwas geschehen ist und Siegbert alle belügt. Und jetzt ist auch noch dieser Inquisitor hier!"
"Wir sind eigentlich wegen der Burg hier ...", sagte Nuria. "Ist euch eigentlich klar, in welcher Gefahr der ganze -"
"Wir kümmern uns darum." Wind, der Tabaxi-Mönch, hatte bislang still zugehört und sich nun zu Wort gemeldet und bat Nura mit einem Blick zur Nachsicht mit Perana. Etwas konsterniert ließ sich die Schurkin wieder zurück gegen ihre Lehne fallen.
"Oh, danke!", sagte Perana und wirkte erleichtert, als wäre das Problem mit dieser Zusage bereits gelöst. "Wenn der Inquisitor zuerst herausfindet, was los ist, wird es womöglich viele Verurteilungen geben."
Wind lächelte entspannt. "Wir werden das schon regeln."
Etwa an der Art des Inquisitors, seiner Art, sich zu bewegen und zu sprechen, kam dem Mönch seltsam vor. Auch Hellon, dem Tiefling, war es aufgefallen, aber noch behielten sie ihre Beobachtung für sich.

Am nächten Morgen, ein veregneter, trüber Tag, machten sich die Abenteuerer auf den Weg zum Kramerladen. Ein sonderbarer Nebel hatte die Burg umschlossen, ein dem Wirt Herbertus nach altbekanntes Phänomen, welches die Bitterbacher schon gut kannten. Selbst Wagemutigen, die sich trauten, das Gemäuer zu betreten, kamen nicht durch den Nebel. War es ein Schutz gegen Eindringlinge von außen, oder sollte es etwas im Inneren gefangen halten? Es war zunächst nicht klärbar. Der Kramerladen befand sich im Erdgeschoss eines zweigeschossigen Fachwerkhauses. "Siegberts Krämerei" stand in formschönen Lettern auf einem Schild über der Tür. In einem kleinen Schaufenster befand sich eine Auslage verschiedener Haushaltsgegenstände, daneben führte eine fensterlose Holztür in das Ladeninnere. Nuria betrat als erste den Laden und das Öffnen der Türe löste ein helles Klingeln eines Glöckchens aus. Was sich nur wenig später in dem Haus abspielen sollte, ahnte noch niemand.

"Herein, nur herein", wurden sie von einem Mann Mitte Fünfzig begrüßt, der sich mit leisem Ächzen hinter einem Verkaufstisch erhob. Er trug gutbürgerliche Kleidung, ein Leinenhemd, unter welchem sich ein kleiner Bauch abzeichnete und eine Stoffhose. Sein überwiegend graues Haupthaar hatte sich bereits auf einen Haarkranz reduziert. Der kleine Ladenraum war mit Regalen vollgestellt, die bis zur Decke reichten. Siegbert kaufte und verkaufte offenbar alles, was er in die Finger bekam, und so fand man ein buntes Sammelsurium an Gegenständen, Gerätschaften, und Utensilien vor, allesamt auf den schnellen Blick von eher geringem Wert.
"Bitte, seht euch um. Wenn ihr etwas Bestimmtes sucht, dann ..."
"Ja, wir suchen etwas Bestimmtes, werter Siegbert."
Der Händler verstummte angesichts Hellons ernstem Gesichtsausdruck.
"Wir kommen wegen Eurer Frau. Wir haben erfahren, dass Ester schon länger nicht mehr gesehen worden ist."
"Ich ... also ..."
"Die Leute reden, spekulieren. Dass etwas mit ihr nicht stimmt."
Siegbert schluckte schwer. "Ester ist krank geworden", stammelte er mit unruhigem Blick von einem zum anderen. "Ich ... Ich habe sie nach Treverngaard gebracht, damit sie dort behandelt werden kann. Ich wüsste nicht, was das Ortsfremde wie euch ..."
"Das geht uns sehr wohl etwas an", sagte Baragor. "Weil an der Sache etwas faul ist. Also rede schon!"
"Was unser zwergischer Gefährte damit meint ist: Ihr lügt. Sagt die Wahrheit." Hellon bemühte sich um ein gewinnendes Lächeln.
"Wir können Euch helfen", sagte Nuria mit besorgtem Blick.
Siegbert sah von einem zum anderen und musste sich setzen. Ein Schatten huschte über sein Gesicht.
"Es begann vor mehreren Wochen. Ester wurde anders. Sie war immer eine ruhige und besonnene Frau gewesen, auf einmal wurde sie streitsüchtig. Regelrecht aggressiv, sie schrie und tobte, war kaum mehr zu beruhigen. Nachts schlief sie oft unruhig, wandelte im Schlaf umher und tat verrückte Dinge. Manchmal murmelte sie Worte, die ich nicht verstand, oder sie stand mit dem Gesicht zur Wand in einer Ecke für zwei Stunden, ehe sie sich wieder hinlegte. So ... so konnte es nicht weitergehen."
Siegberts bittere Worte hingen noch einen Moment in der Stille des Raumes.
Wind strich sich kurz über seine Schnurrhaare wie über einen Bart. "Und dann habt Ihr Ester nach Treverngaard gebracht, damit sie dort ..."
"Nein." Siegbert schüttelte schwach den Kopf. "Nein, habe ich nicht."
"Wo ist Eure Frau jetzt, Siegbert?", fragte Hellon.
"Oben." Siegberts Stimme war kaum zu hören. "Ester ist oben."

Eine gemauerte Treppe mit abgenutzten Stufen führte in das Obergeschoss. Schummerlicht empfing die Abenteurer, da das eine Fenster am Ende des Ganges mit einer Decke verhangen war. Drei Zimmertüren zweigten von dem Gang ab.
"Es ist diese hier."
Siegbert trat vor die erste Tür, holte einen Schlüssel aus seiner Hosentasche hervor und sperrte auf. Mit einem Knarzen schwang die Tür auf. Es war ein kleiner, nur spärlich möblierter Raum, der ebenfalls im Schummerlicht war. Die Vorhänge vor dem Fenster an der Stirnseite waren zugezogen und nur wenig Licht fiel an den Rändern hinein. Ein schwerer, beißender Geruch von abgestandener Luft, Fäkalien und ungewaschenem Körper hing in der Luft. Das zentral platzierte Bett beherrschte den Raum und zog sofort alle Aufmerksamkeit auf sich. Zum einen, weil es auf unübliche Art in den Raum gestellt war, und zum anderen, weil dort eine Person darauf lag. Verhalten bewegte sich die Gestalt, was von Kettenrasseln begleitet wurde.
"Ihr habt sie angekettet?", fragte Wind mit kritischem Blick.
"Ich musste", antwortet Siegbert mit gesenktem Blick. "Ihre Aggressivität wurde immer schlimmer."
"Wer ist da? Wer ist da?", erklang eine Frauenstimme vom Bett. Kurze, hektische Bewegungen waren zu sehen.
"Wir sind hier, um nach dir zu sehen, Ester", sagte Nuria und näherte sich ihr vorsichtig.
Eisenmanschetten umschlossen Esters Handgelenke und kurz gehaltene Ketten fesselten sie ans Bett. Ihre Beine konnte sie frei bewegen. Ester war eine zierliche Person und verschwand beinahe in dem langen, weißen Nachthemd, welches sie trug. Ihre langen schwarzen Haare waren verstrubbelt und hingen ihr wirr ins Gesicht.
"Ihr müsst mir helfen! Ich werde grundlos gefangen gehalten. Ich ..."
"Von grundlos kann keine Rede sein", ging Siegbert dazwischen. "Du bist krank, Ester. Sieh das doch ein."

Siegberts Frau bäumte sich auf. "Das bin ich nicht. Bin ich nicht! Du bist es, der krank ist. Kommst beinahe jede Nacht her und ... tust Dinge mit mir ..." Ihre Stimme versagte.
"Du zwingst mich dazu! Irgendein dunkler Zauber beherrscht dich und wirkt auf mir. Glaubst du mir macht es Spaß, deine perversen Fantasien zu erfüllen?"
Ester kreischte verzweifelt auf. "So stellst du es jetzt da? Nachdem dir endlich jemand auf die Schliche gekommen ist? Hast du ihnen erzählt, was du mit mir tust? Hast du ihnen erzählt, wie du ..."
"Genug jetzt!" Baragor hatte seinen Kriegshammer schlagbereit in den Händen. "Sei froh, dass der Dämon, so er denn wirklich in dir steckt, sich gerade nicht zeigt, sonst hätte ich dir schon längst den Schädel eingeschlagen."
"Ihr könnt doch nicht einfach meiner Frau ..."
"Ich kann und ich werde. Und dir übrigens auch, Kramerbursche."
"Wir sollten Ester in das Götterhaus bringen", sagte Hellon mit beschwichtigender Geste in die Runde. "Bist du bereit, uns dahin freiwillig zu begleiten?"
Ester lag da wie erstarrt, ihr Blick huschte kurz von einem zum Anderen. Dann nickte sie hektisch.
"Und Siegbert wird uns sicherlich auch gerne begleiten, oder?"
Der Tiefling sah den Händler scharf an.
"In Ordnung", sagte er mit leichter Verzögerung. "Moment, wo habe ich denn den Schlüssel für die Ketten ..." Siegbert tastete seine Taschen ab, dann hatte er ihn gefunden. Mit gefasstem Gesichtsausdruck trat er an das Bett und schoss erst die eine Fessel, dann die andere auf. Regungslos ließ Ester ihn machen, rasselnd fielen die Ketten zu Boden. Siegbert steckte den Schlüssel weg und half Ester in eine sitzende Position. Liebevoll strich er ihr die Haarstähnen aus dem Gesicht, sie hielt den Blick gesenkt, ließ ihn aber gewähren. Langsam schwang Ester die Beine aus dem Bett und ließ sich von Siegbert aufhelfen. Sah so jemand aus, der seine Frau wiederholt vergewaltigte? Sah so jemand aus, der wiederholt vergewaltigt wurde? Ester stand neben ihrem Mann und sah zu ihm hoch. Siegbert hielt den Blickkontakt und sah sie verträumt an.
"Sollen wir sie töten?", fragte er.
Ester lächelte sanft. "Ich denke, das wäre das beste."

Esters Körper wurde von einem Zucken geschüttelt. Ihr Kopf klappte nach hinten, weiter, als möglich sein sollte, und sie begann zu schweben. Ihr weißes Kleid wurde von weißem Glosen erfasst, ihre ganze Gestalt schimmernd und durchscheinend. Siegbert hingegen krümmte sich vor Schmerz nach vorne und sonderbare Auswüchse stachen durch seinen Körper. Es wirkte, als würde etwas in ihm stecken und sich nun bemerkbar machen, die Kontrolle übernehmen. Esters Kopf schnellte wieder nach vorne, ihre schwarzen Haare tanzten wie Schlangen in alle Richtungen umher. Ihre Augen waren pechschwarz und ihre Stimme schrill und schmerzhaft. "Ihr - werdet - sterben."


Roll initiative! :)
Es entbrannte eine Kampf gegen Ester, die sich als Banshee entpuppte, und ihren Mann Siegbert, der nur der Wirt einer unbekannten Kreatur geworden war. Während Siegbert souverän besiegt werden konnte, war es mit der Banshee nicht ganz so einfach. Baragor und Nuria hatten mit Furcht ob ihrer Erscheinung zu kämpfen, und Ester konnte sich für einen kurzen Moment dematerialisieren, um dann unvermittelt an anderer Stelle wieder aufzutauchen. Gute Ausweichfähigkeiten von dem Mönch Wind, und die starke Rüstung von Baragor vereitelten ihre Angriffe. Lediglich den Tiefling Hellon erwischte sie einmal mit ihrem untoten, kalten Griff und zeigte, wie heftig ihre Attacken ausfallen können. Letztendlich konnte sie Dank Baragors göttlicher Anrufung und Angriffen vernichtet werden.

Wird sich die Gruppe nun den anderen Problemen in Bitterbach annehmen, oder versuchen, mehr über den vermuteten Sphärenriss in der Burgruine herausfinden? Wir werden sehen :)


Montag, 21. Mai 2018

RPG-Blog-O-Quest #32: Dafür liebe ich meine (Mit-)Spieler!

Die RPG-Blog-O-Quest für den Monat Mai wird von richtig Spielleiten angeboten und richtet sich an die (Mit-)Spieler, was ich eine ganz tolle Idee finde. Gerade beim Pen&Paper-Rollenspiel ist es entscheidend, wer sich da am Tisch zusammengefunden hat, damit einer vergnüglicher Spielabend entsteht. Es gibt so viele verschiedene Spielmöglichkeiten eines Rollenspiels - Darsteller, Geschichtenerzähler, Regelexperte, um nur einige zu nennen - und alle sind auf ihre Art irgendwo richtig. Entscheidend ist es, dass jede Spielrunde für sich harmonisiert und sich in der Ausübung des Spieles zumindest im Großen und Ganzen einig ist. Hat man da Menschen gefunden, mit denen das klappt, kann und sollte man sehr dankbar sein. Genug der Vorrede, hier kommen die Fragen:

1. Man hat ja oft eine Vorstellung, wie eine Szene ablaufen könnte. Spieler sind legendär dafür, oft völlig unerwartete Wege zu finden. Was war für dich die tollste Abweichung?
Abweichungen im Abenteuer entstehen im kleinen wie auch im großen Stil und erfordern hohe Flexibilität und auch Improvisationstalent vom Spielleiter. Bei Sandbox-Abenteuern sind Abweichungen leichter abzufangen, als bei starkem Railroading. Ich kann mich jetzt spontan nur an zwei Abweichungen mit mir als Spieler erinnern. Bei der einen Sache war ich ein stolzer Novadikrieger im DSA-Universum und uns hatte es ins Bornland verschlagen (ich meine, es war das Abenteuer "In Liskas Fängen"). Gleich zu Beginn, als Auftakt ins Abenteuer gedacht, gab es eine Begegnung mit jemandem, der mit dem Gesetz in Konflikt geraten war (genaueres weiß ich leider nicht mehr). Aber statt sich auf seine Seite zu stellen, seine Geschichte zu hören und damit ins Abenteuer einzusteigen, hat mein Novadi ihn der örtlichen Obrigkeit übergeben - das Abenteuer war damit beendet! Das war sicherlich ein ernüchterndes Erlebnis für den damaligen Spielleiter, aber toll war, dass er es nicht unterbunden hat und mich bzw. die Gruppe ins Abenteuer gezwungen hat.

Das andere Mal, auch DSA, hatten wir teilweise Rollenspiel-Neulinge in der Gruppe (als Spieler) und als Einsteigerabenteuer wurde, ganz simpel, jemand entführt (die Händlerstochter) und es wurde Lösegeld gefordert. Innerhalb der Heldengruppe wurde lange debattiert, wie und wo das Geld übergeben werden könnte, bis ich, angesichts des verzweifelten Gesichtsausdrucks des Spielleiters, vorgeschlagen habe, man könne doch die Tochter auch befreien ... Der Spielleiter war sichtlich erleichtert :)

2. Huch, grober Fehler: Regel falsch angewendet, keine Idee, wie es weitergeht, Blackout, Liebeskummer - wie hat dein (Mit-)Spieler die Situation gerettet?
So etwas lief in meinen Runden immer angenehm unkompliziert. Entweder wurde mittels eines Probenwurfs ein weiterer Hinweis gestreut, die richtige Regelanwendung kurz für das nächste Mal geklärt, oder letztens hatten wir sogar einen rollback einer Situation und haben sie regeltechnisch richtig gespielt. Ewige Regeldiskussionen und Nachschlagen empfinde ich als Atmo-Killer und sollte auf ein Minimum reduziert werden. Für manche ist das korrekte Bedienen des Regelwerks jedoch sehr wichtig, was zur Frage 3 führt.

3. Ganz abstrakt: Wer sitzt an deinem Spieltisch? Taktiker oder Dramaqueen, Rechtsanwältin oder Grafikdesigner, Vater oder Tochter - keine Namen, sondern Typen.
Jeder ist nicht nur als realer Mensch eine bestimmte Wesensart, sondern auch als Spieler. Wie in meiner Einleitung angesprochen gibt es teils völlig unterschiedliche Methoden, ein Rollenspiel zu spielen. Manches ist komplett gegenläufig, z. B. Darsteller - Regelpedant. Die hohe Kunst ist es, beiden gerecht zu werden, damit beide den Spielabend als angenehm empfinden. Bei mir am Tisch sind wir erfreulicherweise alle sehr ähnlich, und einzelne leicht abweichende Punkte sind da nicht hinderlich, sondern bereichernd. Überwiegend besteht großes Interesse am Ambiente und darstellenden Spiel, aber z. B.  Kämpfen, würfeln und Schaden austeilen, machen wir auch alle ganz gern. :) Im realen Leben sind wir in allen Berufssparten zu finden ("Wir sind überall, muhahahah!!!11" :D)

4. Auch abseits des Spieltisches sind Spieler Menschen und oft auch Freunde. Was hat dich im echten Leben am meisten an den Mitspielern beeindruckt?
Der Umgang mit Krisen ist eine große Herausforderung und bringt jeden oft mühelos an persönliche Grenzen. Einem meiner Mitspieler ist hier beziehungstechnisch etwas widerfahren, was man bestenfalls in einer einfältigen, billigen Soap Opera erwarten würde, aber nicht in Wirklichkeit. Beeindruckt hat mich sehr, wie er trotz aller Unfassbarkeit der Geschehnisse mit Ruhe und letztendlich Besonnenheit alles ausgehalten hat und immer noch managed. Ich wäre vermutlich komplett ausgerastet, käme ins Arkham Asylum, oder hätte mich gleich in den Dritten Kreis der Verdammnis begeben ...

5. Welche Aktion deiner (Mit-)Spieler ist für dich das großartigste, unvergesslichste, bereichernste, albernste, unerwarteste gewesen, was du je erlebt hast?
Solche Momente entstehen so oft, dass man sie sich kaum alle merken kann. Oftmals ist es gerade die Situation, die einer Sache die o. g. Aspekte verleiht. Ich habe hier nur Fragmente zu bieten: Wir hatten mal in einem Schlafsaal in einer Taverne eine Laterne, die in einem quietschenden Scharnier hing und uns könglich darüber amüsiert, wenn jemand dagegen stieß und die Leute reihum deswegen ausgerastet sind. Eine Amazone, die mit gerade mal 6 Lebenspunkten (es war DSA 4, also kurz für Handlungsunfähigkeit bzw. Tod) noch in die Schlacht geritten ist (die Heldin ist im Kampf gefallen). Ein Thorwaler, der bei einem Raubüberfall auf das Nachtlager als einer der wenigen noch stand, einem seiner im Sterben liegenden Gefährten das Verbandszeug mit dem Fuß auf die Wunde presste, weil er weiterkämpfen musste (wie es ausging, weiß ich leider nicht mehr).


Bei der Frage 5 geht es um "epic moments", die ein wunderbarer Aspekt beim Pen&Paper-Rollenspiel sind und einer der Gründe, warum ich dieses Hobby seit gut 20 Jahren betreibe. Das Ganze steht und fällt jedoch mit tollen Mitspielern/Menschen/Freunden, mit denen man Zeit verbringt und diese tollen Momente teilt. Deswegen hier zum Abschluss ein großer Dank an meine aktuelle Spielrunde, die von allen bisherigen in dieser Besetzung die beste ist. ;)

Das war sie, die RPG-Blog-O-Quest für Mai.
Was sind eure Erfahrungen und Erlebnisse mit (Mit-)Spielern?
Schreibt mir gern in den Kommentaren!