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Dienstag, 1. Mai 2018

Dungeons & Dragons Spielrunde: Die Dritte Legion

Vor fünfhundert Jahren wurden die Freien Völker zu den Waffen gerufen. Es galt das Land von den umherziehenden Monstern und Kreaturen zu befreien, damit auf den Trümmern der alten Welt neue Siedlungen entstehen konnten. Zwei Legionen wurden aus den Freiwilligen gebildet, die unerschrocken loszogen. Aber selbst im gut zugänglichen Teil des Landes waren die Verluste so hoch, dass nur ein Bruchteil dessen befriedet werden konnte, als ursprünglich angedacht war. Die Verletzten kehrten verletzt und für immer gezeichnet nach Hause zurück, aber ihr Opfer war nicht umsonst. Das freigekämpfte Land bot eine neue, fruchtbare Heimat für die folgenden Generationen.

Erst Jahrhunderte später wurden Aufzeichnungen gefunden, die besagen, dass es damals noch eine dritte Legion gegeben hat. Diese hatte zur Aufgabe, Sphärenrisse zwischen Selestya und der Unterwelt zu finden, zu verschließen und dauerhaft zu bewachen. Eintausend Frauen und Männer wurden für diese Aufgabe abkommandiert.

Man hat nie wieder von ihnen gehört.

Anlässlich des diesjährigen Tabletopdays habe ich als DM einen Oneshot angeboten, den wir jedoch kurzerhand als weitere Episode an unsere Kampagne drangehängt haben. Der Fluff oben war der Teaser-Text für den Storyabschnitt unter meiner DM-Obhut. :) Meine Figur Jindaar (Dragonborn Fighter) habe ich daher vorläufig in den Hintergrund treten lassen, da ich als DM keinen SC steuern möchte. Im Folgenden spricht also diesmal jemand anderes, den die Spieler getroffen haben.

Ich erinnere mich noch genau an meinen Tod. Es war ein lauer Sommerabend gewesen und wir wähnten uns in Sicherheit - ein fataler Fehler. Zuvor waren wir drei Monde ohne nennenswerte Pause marschiert, haben das Grasland nach den Dunkelhunden, wie wir sie nennen, durchkämmt. Sie verstecken sich gern in Senken und lauern tief geduckt im hüfthohen Gras. Einer dieser vermaledeiten Sphärenrisse musste hier irgendwo sein, zumindest zeigte es der Kympys an, den wir bekommen hatten. Eine kleine Gerätschaft, die finstere Magie der Unterwelt aufspüren kann und mit einer Nadel die Richtung weist. Dämonenkreaturen konnte das Artefakt jedoch nicht erkennen. Das achte Banner marschierte geradewegs auf den Sphärenriss zu, und wurde urplötzlich von allen Seiten von den Dunkelhunden angegriffen. Alle starben. Einfach so, hundert tapfere Männer und Frauen. Tot.

Längst war uns klar, dass wir, die Sphärenrissjäger, die gefährlichste aller Aufgaben übernommen hatten. Wir waren fern der Heimat, wir mussten weit ins Feindesland, um den Strom der Dämonenkreaturen zu stoppen. Wir zahlten den höchsten Blutzoll, und so mancher sagte, dass es nie vorgesehen war, dass wir zurückkehrten. Mittlerweile konnte ich nicht mehr widersprechen. Dass wir aber so enden würden - das war mir nicht klar. Es ist Segen und Fluch zugleich. Eine ehrenvolle Aufgabe, die uns zu ewigem Untoten-Leben verurteilt.

Ich bin Crannog, Kommandant des 3. Banners der Dritten Legion, und seit fünfhundertzweiundzwanzig Jahren tot.

Wir hatten gelernt wie wir die Hunde bekämpfen konnten. Man muss sie auseinandertreiben, denn im Rudel sind sie besonders stark. Obwohl sie beeindruckende Klauen haben, greifen sie bevorzugt mit Bissen an, was sie in Reichweite unserer Waffen zwingt. Mit schnellen kurzen Hieben kann man sie auf Abstand halten und töten. Aber die Sphärenrisse spucken immer neue Höllenkreaturen aus. Eine von ihnen ist der Knochenteufel, Gebeinwandler oder Verderbnisläufer genannt. Eine schreckliche, übermannsgroße Kreatur, welche die Höllenhunde in ihren Eingeweiden in diese Welt zerren kann und sich ein Rudel aufbaut, mit dem sie dann durch das Land zieht, um Tod und Verderben zu verbreiten. Ein Gebeinwandler war es, der uns überraschte. Er hatte es geschafft, dass sich seine Hunde lautlos anschlichen und uns aus dem Hinterhalt angriffen. Wir starben alle, innerhalb weniger Minuten, und doch war es nicht das Ende, sonst könnte ich darüber gar nicht berichten.

Nachdem die unheilige Horde weitergezogen war, erschien eine Gestalt. Es war eine Frau, in leichter Rüstung und mit nur einer Klinge an ihrer Seite, und dennoch war sie als Kriegerin zu erkennen. Ein beständiger Schimmer ging von ihr aus, umspielte sie und machte deutlich, dass hier keine Sterbliche wandelte.
"Erhebt euch, Gefallene."
Der Ton ihrer Stimme duldete keinen Widerspruch, auch nicht vom Tod. Also richteten wir uns aus, stemmten uns aus unseren Blutlachen wieder auf die Beine.
"Ihr, die ihr die Welt von dem Übel zu befreien habt, dürft nicht sterben. Euch ist es bestimmt, weiterzumachen, bis euer Dienst nicht mehr benötigt wird."
Wir sahen uns an, geschockt und sprachlos ob unserer Wiedergeburt als wandelnde Tote.
"Wie lange wird das sein?", brachte ich es schließlich fertig, zu fragen.
"Das weiß niemand. Nicht einmal ich."
"Wer bist du?"
Sie sah mich hoheitsvoll an. "Nenne mich Irdy, Gefallener. Dereinst war ich eine Göttin der alten Welt, bis diese verging. Die Zeit der alten Götter ist vorüber ..." Ihr Blick wurde hart und streng, und ich bekam Angst. Mir wurde klar, dass sie unser Leben ebenso leicht wieder nehmen konnte, wie sie es uns zurückgegeben hatte. "Wisse eines, Gefallener. Ich bin nicht dein Freund. Ich bin nicht dein Retter. Du lebst, um den Kreaturen der Unterwelt Einhalt zu gebieten. Deine Existenz ist fortan nur geduldet, nicht erwünscht. Ist das klar?"
"Ja." Ich war nicht in der Lage, den Blick zu heben.
"Ich kann nicht alle retten. Aber einige schon, und du hast das Pech, zu denjenigen zu gehören. Für andere der Dritten Legion ist die Anstrengung und das Mühsal vorüber. Sie haben es hinter sich. Für euch fängt es gerade erst an."

War das fair? Hatten wir um Auferstehung gebeten? Warum wurde gerade uns diese ...
"Bringe deine Gedanken zum schweigen! Es ist fortan deine Aufgabe und du wirst sie erfüllen. Verstanden?"
Ich bekam eine erste Vorstellung, was das bedeutete. Womöglich jahrhunderte lang rast- und ruhelos umherzuziehen, sich wieder und wieder den dunklen Kreaturen entgegenzustellen. Zu sterben und doch wieder aufzustehen. Bis es vorbei war.
"Ja."
"Gut. Dann geh mit deinen Leuten und erfülle deine Pflicht."

Seither durchstreifen wir das Land, immer wieder. Die Sphärenrisse wurden weniger, aber gefährlicher. Sie standen im Fokus der Unterwelt, und immer wieder gelang es einzelnen Geschöpfen hindurchzuschlüpfen. Insbesondere die Verderbniswandler wurden zum Problem. Sie waren gerissen, lernten dazu und suchten sich Verstecke in der Welt. Dort harrten sie aus, oft jahrelang, wähnten den Landstrich in Sicherheit, bis sie eines Tages zuschlagen würden. Wir konnten Sphärenrisse aufspüren, aber nicht die Verstecke der Verderbniswandler. Das 2. Banner teilte dasselbe Schicksal wie wir, und auf unseren Patrouillen trafen wir uns regelmäßig.

Als sie eines Tages verschwunden waren, wussten wir, dass etwas in der Region nicht stimmte. Wir vermuteten einen Verderbniswandler in der Gegend, konnten ihn aber nicht finden. Eine Gruppe Abenteurer, einfache Sterbliche, hatte ihn vermutlich durch Zufall aufgescheucht und mit Mühe waren
sie erst den Dunkelhunden, dann dem Verderbniswandler entkommen. Nun würden sie erleben, was für uns seit Ewigkeiten Alltag war. Nun würden sie erleben, mit welcher Schrecklichkeit die Verderbniswandler das Land überziehen, nur um zu einem Sphärenriss zu gelangen, diesen aufzureißen und den endlosen Horden der Unterwelt Tür und Tor zu öffnen. Nun würden sie mit ansehen, wie Unschuldige starben, wie tapfere Sterbliche gegen sie kämpften und doch unterlagen. Nun würden sie erkennen, dass die Welt ohne die Dritte Legion längst untergegangen wäre.

Wir werden ihnen helfen, aber ich befürchte, wir sind zu wenige. Ich befürchte, wir werden diesmal unterliegen.

Hier wird überwiegend erzählerischer Hintergrund geliefert, der auch als Außenstehender (hoffentlich) lesenswert und unterhaltsam ist. Im letzten Abschnitt wird etwas von dem Verlauf des Abenteuers angedeutet, wobei erst ca. die Hälfte gespielt worden ist. :)








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