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Sonntag, 27. Mai 2018

Dungeons & Dragons Spielrunde: Die Frau in Weiß

Das Dorf Bitterbach im Königreich Erkania befand sich fern des Königshofs und war sehr zur Freude der Bitterbacher Bürger unbedeutend genug, für den mit eiserner Hand regierenden Imperator Ezekiel uninteressant zu sein. Der kleine Ort zählte keine zweihundert Einwohner, besaß einen Kramerladen, ein Götterhaus, verschiedene Handwerker, ein Gasthaus und eine Burgruine, in der es spuken soll - also alles, um der Gewöhnlichkeit Genüge zu tun. An einem Abend kamen Fremde in den Ort und während die Gruppe Abenteurer mit Neugier und Interesse aufgenommen wurde, war der andere Gast keinesfalls willkommen. Dennoch wurde er empfangen und bewirtet, denn einen Inquisitor davonzujagen, machte sich nicht sonderlich gut.

Ich habe für die Gruppe drei kurze Sidequests erdacht, denen sie sich widmen können, bevor es mit dem Hauptplot weitergeht. "Wenn es blutet, können wir es töten" und "Das verlorene Dorf" standen noch zur Auswahl, aber die Gruppe hatte sich für "Die Frau in Weiß" entschieden". Was folgt, ist eine erzählerische Darstellung der Geschehnisse, die nicht den genauen Spielverlauf (und die Spielmechanik) wiedergibt. Aber ich finde es auf diese Art einfach lesenswerter, und ich hoffe, euch geht es auch so. :)

"Hört mal, es gibt da eine Sache", sagte Perana und rückte noch etwas näher an die Abenteurer heran. Sie war Bitterbacherin und hatte sich an den Tisch der Neuankömmlinge im Gasthaus "Zum Lustigen Humpen" gesetzt, als die Stimmung mit Ankunft des Inquisitor jäh umgeschlagen war.
"Was gibt es?"
Baragor setzte sich wieder, da er dem Inquisitor an seinem Tisch einen Besuch abstatten wollte. Perana sah kurz zu ihrem Freund Eric, dem ebenfalls sichtlich unwohl in seiner Haut war.
"Meine Freundin Ester ist seit geraumer Zeit verschwunden", sagte Perana schließlich. "Sie ist die zweite Frau von Siegbert, unserem Kramerhändler. Er sagt, Ester sei schwer krank und er hätte sie nach Treverngaard gebracht."
"Treverngaard?", fragte Hellon.
"Die nächst größere Stadt", antwortete Eric. "Liegt ungefähr zwei Wochen Fußmarsch entfernt."
"Kaum einer im Ort glaubt Siegbert die Krankengeschichte", fuhr Perana fort und tauschte mit Eric einen sorgenvollen Blick. "Wir glauben, dass mit ihr etwas geschehen ist und Siegbert alle belügt. Und jetzt ist auch noch dieser Inquisitor hier!"
"Wir sind eigentlich wegen der Burg hier ...", sagte Nuria. "Ist euch eigentlich klar, in welcher Gefahr der ganze -"
"Wir kümmern uns darum." Wind, der Tabaxi-Mönch, hatte bislang still zugehört und sich nun zu Wort gemeldet und bat Nura mit einem Blick zur Nachsicht mit Perana. Etwas konsterniert ließ sich die Schurkin wieder zurück gegen ihre Lehne fallen.
"Oh, danke!", sagte Perana und wirkte erleichtert, als wäre das Problem mit dieser Zusage bereits gelöst. "Wenn der Inquisitor zuerst herausfindet, was los ist, wird es womöglich viele Verurteilungen geben."
Wind lächelte entspannt. "Wir werden das schon regeln."
Etwa an der Art des Inquisitors, seiner Art, sich zu bewegen und zu sprechen, kam dem Mönch seltsam vor. Auch Hellon, dem Tiefling, war es aufgefallen, aber noch behielten sie ihre Beobachtung für sich.

Am nächten Morgen, ein veregneter, trüber Tag, machten sich die Abenteuerer auf den Weg zum Kramerladen. Ein sonderbarer Nebel hatte die Burg umschlossen, ein dem Wirt Herbertus nach altbekanntes Phänomen, welches die Bitterbacher schon gut kannten. Selbst Wagemutigen, die sich trauten, das Gemäuer zu betreten, kamen nicht durch den Nebel. War es ein Schutz gegen Eindringlinge von außen, oder sollte es etwas im Inneren gefangen halten? Es war zunächst nicht klärbar. Der Kramerladen befand sich im Erdgeschoss eines zweigeschossigen Fachwerkhauses. "Siegberts Krämerei" stand in formschönen Lettern auf einem Schild über der Tür. In einem kleinen Schaufenster befand sich eine Auslage verschiedener Haushaltsgegenstände, daneben führte eine fensterlose Holztür in das Ladeninnere. Nuria betrat als erste den Laden und das Öffnen der Türe löste ein helles Klingeln eines Glöckchens aus. Was sich nur wenig später in dem Haus abspielen sollte, ahnte noch niemand.

"Herein, nur herein", wurden sie von einem Mann Mitte Fünfzig begrüßt, der sich mit leisem Ächzen hinter einem Verkaufstisch erhob. Er trug gutbürgerliche Kleidung, ein Leinenhemd, unter welchem sich ein kleiner Bauch abzeichnete und eine Stoffhose. Sein überwiegend graues Haupthaar hatte sich bereits auf einen Haarkranz reduziert. Der kleine Ladenraum war mit Regalen vollgestellt, die bis zur Decke reichten. Siegbert kaufte und verkaufte offenbar alles, was er in die Finger bekam, und so fand man ein buntes Sammelsurium an Gegenständen, Gerätschaften, und Utensilien vor, allesamt auf den schnellen Blick von eher geringem Wert.
"Bitte, seht euch um. Wenn ihr etwas Bestimmtes sucht, dann ..."
"Ja, wir suchen etwas Bestimmtes, werter Siegbert."
Der Händler verstummte angesichts Hellons ernstem Gesichtsausdruck.
"Wir kommen wegen Eurer Frau. Wir haben erfahren, dass Ester schon länger nicht mehr gesehen worden ist."
"Ich ... also ..."
"Die Leute reden, spekulieren. Dass etwas mit ihr nicht stimmt."
Siegbert schluckte schwer. "Ester ist krank geworden", stammelte er mit unruhigem Blick von einem zum anderen. "Ich ... Ich habe sie nach Treverngaard gebracht, damit sie dort behandelt werden kann. Ich wüsste nicht, was das Ortsfremde wie euch ..."
"Das geht uns sehr wohl etwas an", sagte Baragor. "Weil an der Sache etwas faul ist. Also rede schon!"
"Was unser zwergischer Gefährte damit meint ist: Ihr lügt. Sagt die Wahrheit." Hellon bemühte sich um ein gewinnendes Lächeln.
"Wir können Euch helfen", sagte Nuria mit besorgtem Blick.
Siegbert sah von einem zum anderen und musste sich setzen. Ein Schatten huschte über sein Gesicht.
"Es begann vor mehreren Wochen. Ester wurde anders. Sie war immer eine ruhige und besonnene Frau gewesen, auf einmal wurde sie streitsüchtig. Regelrecht aggressiv, sie schrie und tobte, war kaum mehr zu beruhigen. Nachts schlief sie oft unruhig, wandelte im Schlaf umher und tat verrückte Dinge. Manchmal murmelte sie Worte, die ich nicht verstand, oder sie stand mit dem Gesicht zur Wand in einer Ecke für zwei Stunden, ehe sie sich wieder hinlegte. So ... so konnte es nicht weitergehen."
Siegberts bittere Worte hingen noch einen Moment in der Stille des Raumes.
Wind strich sich kurz über seine Schnurrhaare wie über einen Bart. "Und dann habt Ihr Ester nach Treverngaard gebracht, damit sie dort ..."
"Nein." Siegbert schüttelte schwach den Kopf. "Nein, habe ich nicht."
"Wo ist Eure Frau jetzt, Siegbert?", fragte Hellon.
"Oben." Siegberts Stimme war kaum zu hören. "Ester ist oben."

Eine gemauerte Treppe mit abgenutzten Stufen führte in das Obergeschoss. Schummerlicht empfing die Abenteurer, da das eine Fenster am Ende des Ganges mit einer Decke verhangen war. Drei Zimmertüren zweigten von dem Gang ab.
"Es ist diese hier."
Siegbert trat vor die erste Tür, holte einen Schlüssel aus seiner Hosentasche hervor und sperrte auf. Mit einem Knarzen schwang die Tür auf. Es war ein kleiner, nur spärlich möblierter Raum, der ebenfalls im Schummerlicht war. Die Vorhänge vor dem Fenster an der Stirnseite waren zugezogen und nur wenig Licht fiel an den Rändern hinein. Ein schwerer, beißender Geruch von abgestandener Luft, Fäkalien und ungewaschenem Körper hing in der Luft. Das zentral platzierte Bett beherrschte den Raum und zog sofort alle Aufmerksamkeit auf sich. Zum einen, weil es auf unübliche Art in den Raum gestellt war, und zum anderen, weil dort eine Person darauf lag. Verhalten bewegte sich die Gestalt, was von Kettenrasseln begleitet wurde.
"Ihr habt sie angekettet?", fragte Wind mit kritischem Blick.
"Ich musste", antwortet Siegbert mit gesenktem Blick. "Ihre Aggressivität wurde immer schlimmer."
"Wer ist da? Wer ist da?", erklang eine Frauenstimme vom Bett. Kurze, hektische Bewegungen waren zu sehen.
"Wir sind hier, um nach dir zu sehen, Ester", sagte Nuria und näherte sich ihr vorsichtig.
Eisenmanschetten umschlossen Esters Handgelenke und kurz gehaltene Ketten fesselten sie ans Bett. Ihre Beine konnte sie frei bewegen. Ester war eine zierliche Person und verschwand beinahe in dem langen, weißen Nachthemd, welches sie trug. Ihre langen schwarzen Haare waren verstrubbelt und hingen ihr wirr ins Gesicht.
"Ihr müsst mir helfen! Ich werde grundlos gefangen gehalten. Ich ..."
"Von grundlos kann keine Rede sein", ging Siegbert dazwischen. "Du bist krank, Ester. Sieh das doch ein."

Siegberts Frau bäumte sich auf. "Das bin ich nicht. Bin ich nicht! Du bist es, der krank ist. Kommst beinahe jede Nacht her und ... tust Dinge mit mir ..." Ihre Stimme versagte.
"Du zwingst mich dazu! Irgendein dunkler Zauber beherrscht dich und wirkt auf mir. Glaubst du mir macht es Spaß, deine perversen Fantasien zu erfüllen?"
Ester kreischte verzweifelt auf. "So stellst du es jetzt da? Nachdem dir endlich jemand auf die Schliche gekommen ist? Hast du ihnen erzählt, was du mit mir tust? Hast du ihnen erzählt, wie du ..."
"Genug jetzt!" Baragor hatte seinen Kriegshammer schlagbereit in den Händen. "Sei froh, dass der Dämon, so er denn wirklich in dir steckt, sich gerade nicht zeigt, sonst hätte ich dir schon längst den Schädel eingeschlagen."
"Ihr könnt doch nicht einfach meiner Frau ..."
"Ich kann und ich werde. Und dir übrigens auch, Kramerbursche."
"Wir sollten Ester in das Götterhaus bringen", sagte Hellon mit beschwichtigender Geste in die Runde. "Bist du bereit, uns dahin freiwillig zu begleiten?"
Ester lag da wie erstarrt, ihr Blick huschte kurz von einem zum Anderen. Dann nickte sie hektisch.
"Und Siegbert wird uns sicherlich auch gerne begleiten, oder?"
Der Tiefling sah den Händler scharf an.
"In Ordnung", sagte er mit leichter Verzögerung. "Moment, wo habe ich denn den Schlüssel für die Ketten ..." Siegbert tastete seine Taschen ab, dann hatte er ihn gefunden. Mit gefasstem Gesichtsausdruck trat er an das Bett und schoss erst die eine Fessel, dann die andere auf. Regungslos ließ Ester ihn machen, rasselnd fielen die Ketten zu Boden. Siegbert steckte den Schlüssel weg und half Ester in eine sitzende Position. Liebevoll strich er ihr die Haarstähnen aus dem Gesicht, sie hielt den Blick gesenkt, ließ ihn aber gewähren. Langsam schwang Ester die Beine aus dem Bett und ließ sich von Siegbert aufhelfen. Sah so jemand aus, der seine Frau wiederholt vergewaltigte? Sah so jemand aus, der wiederholt vergewaltigt wurde? Ester stand neben ihrem Mann und sah zu ihm hoch. Siegbert hielt den Blickkontakt und sah sie verträumt an.
"Sollen wir sie töten?", fragte er.
Ester lächelte sanft. "Ich denke, das wäre das beste."

Esters Körper wurde von einem Zucken geschüttelt. Ihr Kopf klappte nach hinten, weiter, als möglich sein sollte, und sie begann zu schweben. Ihr weißes Kleid wurde von weißem Glosen erfasst, ihre ganze Gestalt schimmernd und durchscheinend. Siegbert hingegen krümmte sich vor Schmerz nach vorne und sonderbare Auswüchse stachen durch seinen Körper. Es wirkte, als würde etwas in ihm stecken und sich nun bemerkbar machen, die Kontrolle übernehmen. Esters Kopf schnellte wieder nach vorne, ihre schwarzen Haare tanzten wie Schlangen in alle Richtungen umher. Ihre Augen waren pechschwarz und ihre Stimme schrill und schmerzhaft. "Ihr - werdet - sterben."


Roll initiative! :)
Es entbrannte eine Kampf gegen Ester, die sich als Banshee entpuppte, und ihren Mann Siegbert, der nur der Wirt einer unbekannten Kreatur geworden war. Während Siegbert souverän besiegt werden konnte, war es mit der Banshee nicht ganz so einfach. Baragor und Nuria hatten mit Furcht ob ihrer Erscheinung zu kämpfen, und Ester konnte sich für einen kurzen Moment dematerialisieren, um dann unvermittelt an anderer Stelle wieder aufzutauchen. Gute Ausweichfähigkeiten von dem Mönch Wind, und die starke Rüstung von Baragor vereitelten ihre Angriffe. Lediglich den Tiefling Hellon erwischte sie einmal mit ihrem untoten, kalten Griff und zeigte, wie heftig ihre Attacken ausfallen können. Letztendlich konnte sie Dank Baragors göttlicher Anrufung und Angriffen vernichtet werden.

Wird sich die Gruppe nun den anderen Problemen in Bitterbach annehmen, oder versuchen, mehr über den vermuteten Sphärenriss in der Burgruine herausfinden? Wir werden sehen :)


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